Das Buch

Die Sache fing an mit einer Auseinandersetzung mit dem biblischen Abraham-Mythos. Ursprünglich interessierte mich daran die Frage nach der Möglichkeit einer Zeugungsgemeinschaft zu dritt, dann verselbständigte sich die Sache aber und die Geschichte erzählte sich mir neu. Ich begab mich auf die Straße, fuhr durchs Land, ans Meer und darüber hinaus. Das nicht-vollzogene Sohnesopfer ließ mir keine Ruhe, alles, was bislang dazu geschrieben worden war, war unbefriedigend. Aber wenn man sich lange genug in etwas versenkt, dann siedelt sich irgendwann ein großer Gedanke an – in meinem Fall der Gedanke, dass es sich hier um die Konstruktion des Vaters handelt, Hand in Hand mit der Erfindung des Monotheismus.
Im Wintersemester 14/15 gab ich ein Seminar zum Thema Philosophie und Sex und musste bald feststellen, dass die Philosophie bis heute um das Vögeln einen großen Bogen macht, sie die Geschlechtlichkeit des Menschen eigentlich vollständig ignoriert. Sie kennt nur ein Geschlecht: das Vernunftgeschlecht. Ich habe mich gefragt: warum? – und bin der Sache nachgegangen.
Mit der Philosophie löste einst der Logos den Mythos ab, und mit dem Monotheismus wurde der vernünftige Gott erfunden. Der Verdacht kam auf, dass es zwischen der Abraham-Erzählung und der Sexlosigkeit der Philosophie eine Verbindung geben könnte: Beide, die monotheistische Religion und die abendländische Philosophie traten als Reinlichkeitsbewegungen auf.
Dieser These bin ich nachgegangen und so ist das vorliegende Buch entstanden. Es ist nicht nur ein Buch über unsere Geschlechtlichkeit und unseren Sex, sondern es thematisiert zugleich diese Lücke in der Philosophie und führt darüber zu einer Kritik der (männlich dominierten) Vernunft. Es ziert sich dabei nicht, sondern ist poetisch und derb und gibt einen Scheiß auf den Methodenzwang.
Im Wechsel eines erzählenden und eines philosophierenden Teils wird eine Theorie der Zeitbewusstseine entwickelt (zyklische, lineare, partikularisierte Zeit), die den Hintergrund für eine Theorie der Geschlechter, des Sex und des Wissens darum liefert. Wo die Philosophie von der Antike bis heute immer nur von Liebe, Freundschaft und dem Eros des Denkens faselt, kommen hier die Körper zur Sprache: ihre Begierden, Penetrationen, Ausscheidungen, Schmerzen, Verletzungen, die ganze Pornografie.
Ich gehe hier sprachlich bewusst ans Eingemachte, gerade weil die ansonsten vornehme Distanz des wissenschaftlichen Ausdrucks in diesem Fall ihren Gegenstand sicher verfehlen würde.